Ein Markt am Scheideweg
Die Cyberversicherungslandschaft im Jahr 2025 ist von einem Paradoxon geprägt: Cyberbedrohungen nehmen zu, doch die Marktpreise sind gesunken.
Gleichzeitig verändert eine beispiellose Welle von Regulierungsmaßnahmen – DORA, NIS2 und das EU-KI-Gesetz – die Erwartungen sowohl an Versicherer als auch an Versicherte. Mit dem Übergang ins Jahr 2026 tritt die Cyberversicherung in eine komplexere, vernetztere und stärker regulierte Ära ein als je zuvor.
Für Versicherer, Makler und Cyber-Experten ist die Botschaft klar: Die Versicherungsbranche muss ihren proaktiven Ansatz weiter verstärken.
Unser Head of Cyber Europe, Marco Henrique, bringt es auf den Punkt: „Die Versicherung muss vor dem Schaden da sein, nicht danach.“
„Die Versicherung muss vor dem Schaden da sein, nicht danach.“
Unser Head of Cyber Europe, Marco Henrique, bringt es auf den Punkt
Eine durch systemische Risiken verschärfte Bedrohungslage
Ransomware dominiert weiterhin das Bild der Cyber-Schäden in Europa über alle Märkte hinweg. Die beunruhigendste Entwicklung ist die Verlagerung hin zu systemischen Risiken: Angriffe, die gemeinsame Plattformen, Cloud-Abhängigkeiten und Software-Lieferketten ausnutzen.
Diese Szenarien stellen traditionelle Versicherungsmodelle infrage und geben Anlass zu Bedenken hinsichtlich der Kumulierung und Kapitaladäquanz.
Für Unternehmen ist die Konsequenz klar: Ein einzelner Vorfall kann sich nun auf Partner, Lieferanten und Kunden auswirken und ein Cyberereignis zu einer Krise der Geschäftskontinuität machen.
Cyberrisiken sind real und werden immer kostspieliger
Europäische und globale Studien kommen zu denselben Ergebnissen:
- Die überwiegende Mehrheit der KMU hat in den letzten Jahren mindestens einen Cybersicherheitsvorfall erlebt.
- Rund drei Viertel geben an, dass ein schwerwiegender Cybervorfall das Überleben ihres Unternehmens gefährden könnte.
- Die durchschnittlichen Kosten eines globalen Datenvorfalls beliefen sich 2025 auf 4,44 Millionen US‑Dollar.
Diese Zahlen spiegeln eine Realität wider, mit der unsere Kunden und Makler täglich konfrontiert sind.
2025 stellte das BSI eine Zunahme von Angriffen auf Lieferketten und Phishing‑Kampagnen fest, von denen deutsche KMU betroffen waren.
Ein einziger Vorfall kann innerhalb weniger Stunden den Betrieb lahmlegen, den Ruf schädigen und den Cashflow stören.
Cyberrisiken sind nicht mehr nur Theorie. Sie sind allgegenwärtig.
Versicherungen müssen sich weiterentwickeln: Prävention, Resilienz und Partnerschaft
Traditionelle, auf Entschädigungen basierende Versicherungen reichen nicht mehr aus.
Europäische Unternehmen erwarten heute:
- Risikoantizipation
- Präventionsinstrumente und Sensibilisierungsschulungen
- Unterstützung bei Vorfällen in Echtzeit
- kontinuierliche Überwachung
- ein partnerschaftliches Modell statt eines transaktionalen Modells
Cyberversicherungen müssen als lebender Schutzschild fungieren und dürfen nicht als Vertrag abgelegt und vergessen werden.
Cyberversicherungen müssen als lebender Schutzschild fungieren und dürfen nicht als Vertrag abgelegt und vergessen werden.
KMU stehen heute in einer vernetzten Wirtschaft an vorderster Front
KMU stehen heute an vorderster Front, wenn es um Cyberrisiken geht – nicht aus eigener Entscheidung, sondern aufgrund der Umstände. Der Aufstieg von Ransomware-as-a-Service und der Einsatz von KI durch Cyberkriminelle haben Angriffe industrialisiert und sie billiger, schneller und einfacher in großem Umfang durchführbar gemacht.
Infolgedessen werden kleinere Unternehmen zunehmend zum Ziel, nicht weil sie unvorsichtig sind, sondern weil sie in einer digitalen Wirtschaft, in der alle Unternehmen miteinander verbunden, aber nicht alle gleichermaßen geschützt sind, stärker exponiert sind.
Cyberrisiken gehen heute weit über die IT-Abteilungen hinaus; im Grunde geht es um den Schutz von Daten, Betriebsabläufen und Vertrauen.
In der Praxis bedeutet dies, dass die Gefährdung nun folgende Bereiche umfasst:
- Cloud-Ökosysteme
- Fintech- und Zahlungsplattformen
- Einhaltung gesetzlicher Vorschriften
- Konnektivität der Lieferkette
- Abhängigkeiten von Software von Drittanbietern
KMU und mittelständische Unternehmen – das Rückgrat der europäischen Wirtschaft – sind aufgrund ihrer begrenzten internen Ressourcen mittlerweile häufige Ziele, da Angreifer wissen, dass Störungen schnell zu operativem und finanziellem Druck führen können.
Auf dem deutschen Markt waren insbesondere das verarbeitende Gewerbe und die Logistikbranche gefährdet.
Diese neue Realität erfordert eine intensivere Zusammenarbeit zwischen Versicherern, Maklern, Cyber-Experten und Servicepartnern, um die Widerstandsfähigkeit aller Ökosysteme zu verbessern.
KI und Technologie stärken die Cyber-Reaktionsfähigkeit, aber Menschen bleiben unverzichtbar
KI-gestützte Erkennung, Automatisierung und vorhersagende Analysen verändern das Cyber-Risikomanagement grundlegend.
Wir hören auch, dass diese Tools die Erkennung beschleunigen und die Auswirkungen reduzieren.
Bei Markel sind wir jedoch davon überzeugt, dass Technologie zwar unterstützend wirkt, menschliches Fachwissen jedoch führend ist.
Hinter jeder Sicherheitsverletzung stehen:
- Menschen unter Druck
- Entscheidungen, die sich auf den Betrieb und die Kunden auswirken
- Momente, in denen ein ruhiges und fachkundiges menschliches Urteilsvermögen am wichtigsten ist
Im Jahr 2026 wird das erfolgreiche Modell zur Risikominderung und -übertragung fortschrittliche Technologie mit menschlichem Krisenmanagement kombinieren. Die Technologie beschleunigt, der Mensch steuert.
Im Jahr 2026 wird das erfolgreiche Modell zur Risikominderung und -übertragung fortschrittliche Technologie mit menschlichem Krisenmanagement kombinieren. Die Technologie beschleunigt, der Mensch steuert.
Wichtige Trends für 2026
Mit Blick auf die Zukunft werden mehrere Trends den europäischen Markt für Cyberversicherungen prägen:
Wie das Cyber-Team von Markel reagiert
In allen unseren europäischen Märkten verstärken wir unseren Ansatz, indem wir uns auf Folgendes konzentrieren:
- Detaillierte Risikobewertungen, um Maklern und Kunden zu helfen, ihre Risiken zu verstehen.
- Präventions- und Sensibilisierungsschulungen, die speziell für KMU und mittelständische Unternehmen konzipiert sind.
- Modulare Cyber-Lösungen, die Versicherungsschutz, Incident Services und kontinuierlichen Support kombinieren.
- Ein menschenzentriertes Modell zur Reaktion auf Vorfälle, das schnelle fachkundige Beratung gewährleistet, wenn es darauf ankommt.
- Aktive Überwachung neuer Bedrohungen und kontinuierliche Verbesserung unserer Angebote.
Unsere Cyber-Spezialisten in Deutschland bieten Maklern technische Unterstützung bei der Risikoprüfung und detaillierte Risikobewertungen.
Im Jahr 2026 wird sich der europäische Cybermarkt nicht nur weiterentwickeln, sondern auch ausreifen. Der Preiswettbewerb wird anhalten, aber auch der Fokus auf Widerstandsfähigkeit, Governance und systemische Risiken wird sich weiter verschärfen. Sowohl für Versicherer als auch für Versicherte werden diejenigen erfolgreich sein, die Cyberrisiken nicht als technisches Risiko betrachten, sondern als unternehmensweite Herausforderung für die Widerstandsfähigkeit.
1 ENISA Cybersecurity Threat Landscape Report 2025: Key takeaways for SMEs, European DIGITAL SME Alliance, 5 Nov. 2025
2 ENISA Cybersecurity Threat Landscape Report 2025: Key takeaways for SMEs, European DIGITAL SME Alliance, 5 Nov. 2025
3 Cost of a Data Breach Report 2025, IBM, Jul. 2025
4 BSI Situation Report 2025: SMEs and Critical Infrastructure in the Crossfire, B2B Cyber Security, 17 Nov 2025.